Das deutsche Rentensystem steht an einem Wendepunkt. Während der demografische Druck zunimmt und traditionelle Anlagemodelle Schwierigkeiten haben, die von künftigen Rentnerinnen und Rentnern benötigten Renditen zu erzielen, könnten Private Markets einen Weg zu langfristigem Wachstum eröffnen. Martina Frisch beleuchten, was Deutschland von anderen Rentensystemen lernen kann und welche Anlagekompetenzen und operative Infrastruktur erforderlich sind, damit Reformen zu besseren Ergebnissen in der Altersvorsorge führen.
Politik, Versorgungsträger und institutionelle Investoren stehen vor einer gemeinsamen Herausforderung: Sie müssen für eine alternde Bevölkerung ausreichende langfristige Renditen erwirtschaften, während traditionelle Einkommensquellen an Verlässlichkeit verlieren.
Das deutsche Rentensystem basiert seit jeher auf Stabilität, Sicherheit und einer konservativen Anlagepolitik. Doch schon heute gibt Deutschland zwischen 11 % und 12 % seines BIP für die gesetzliche Rente aus. Dieser Anteil dürfte mit der Alterung der Bevölkerung weiter steigen. Demografischer Druck, eine höhere Lebenserwartung und geringere Renditeerwartungen traditioneller Anlageklassen treiben die Debatte darüber voran, wie Altersvorsorgevermögen künftig angelegt werden sollte.
Der reformierte Rahmen für die private Altersvorsorge in Deutschland soll die Beteiligung am Kapitalmarkt erhöhen und die langfristigen Ergebnisse der Altersvorsorge verbessern.
Für Private-Markets-Fondsmanager könnte dies eine der bedeutendsten strukturellen Entwicklungen in der deutschen Investmentlandschaft sein.
Deutsche Bank Research warnt, dass der demografische Wandel das gesetzliche Rentensystem Deutschlands zunehmend unter Druck setzt, da die Zahl der Menschen im Rentenalter im kommenden Jahrzehnt deutlich zunehmen dürfte. Gleichzeitig haben konservative Anlagestrategien die Renditen begrenzt. Diese Entwicklungen sprechen zunehmend dafür, Altersvorsorgevermögen stärker an langfristigem Wirtschaftswachstum teilhaben zu lassen.
Professor Raimond Maurer von der Goethe-Universität Frankfurt erklärt: „Sie gibt jüngeren Generationen die Möglichkeit, frühzeitig, kostengünstig und staatlich gefördert im Rahmen ihrer Altersvorsorge am langfristigen Renditepotenzial der Kapitalmärkte teilzuhaben.“
Deutschland ist nicht das einzige Land, in dem eine alternde Bevölkerung die öffentlichen Finanzen zunehmend belastet. Frankreich etwas wendet rund 15 % seines BIP für die Altersversorgung aus. Das verdeutlicht die Belastung, die etablierte, weitgehend staatlich finanzierte Rentensysteme für die öffentlichen Finanzen darstellen können.
Kanada und Australien verfolgen hingegen einen anderen Ansatz. Ihre Rentensysteme verbinden vergleichsweise geringe öffentliche Ausgaben von rund 4 % bis 6 % des BIP mit umfangreichen, professionell verwalteten Altersvorsorgevermögen. Im Laufe der Zeit haben ihre Investoren erhebliche Allokationen in Infrastruktur, Private Equity, Private Credit und Immobilien aufgebaut.
Ein weiteres gutes Beispiel ist das schwedische Altersvorsorgesystem. Es kombiniert staatliche, betriebliche und private Vorsorge mit altersabhängigen Anlagestrategien. Jüngere Sparer profitieren dabei von einer stärkeren Allokation in wachstumsorientierte Anlageklassen, während das Anlagerisiko mit zunehmendem Alter schrittweise reduziert wird. Einer Analyse von Deloitte zufolge, sind bei einem durchschnittlichen schwedischen Arbeitnehmer rund 75 % des gesamten Altersvorsorgevermögens in börsennotierte und private Beteiligungen, Immobilien und Infrastruktur investiert. Das entspricht einem risikotragenden Altersvorsorgevermögen von etwa 249.000 € je Erwerbstätigem, verglichen mit rund 66.000 € in Deutschland. Diese „Produktivkapitallücke“ verdeutlicht, welcher zusätzliche langfristige Wert entstehen kann, wenn Beiträge in diversifizierte Wachstumsanlagen investiert werden, statt sich auf garantierte oder renditeschwache Produkte zu konzentrieren.
McKinseys aktueller Global Private Markets Report unterstreicht, dass der Übergang zu einem stärker renditeorientierten Altersvorsorgerahmen Privatpersonen dabei hilft, langfristig größeres Vorsorgevermögen aufzubauen, und zugleich mehr langfristig verfügbares Kapital für Infrastruktur, Innovation und produktive Investitionen schafft. Deshalb sind Private Markets heute ein fester Bestandteil langfristig ausgerichteter Portfolios. Private Equity, Private Credit und Infrastruktur ziehen vor allem solche Pensionsinvestoren an, die langfristige Anlagemöglichkeiten und diversifizierte Renditequellen suchen.
Für Deutschland geht es daher nicht einfach darum, mehr Kapital in Private Markets zu investieren. Entscheidend ist vielmehr, die notwendigen Kompetenzen und Strukturen zu entwickeln, die langfristige Vermögenswerte und langfristige Verpflichtungen aufeinander abstimmen.
Research des Bundesverbands Alternative Investments (BAI) zeigt, dass deutsche Versorgungswerke, Pensionskassen und Contractual Trust Arrangements durchschnittlich 22,9 % ihres Vermögens in alternative Anlagen investieren. Damit liegen sie leicht über dem Durchschnitt institutioneller Investoren. Für Infrastruktur und Private Debt wird weiteres Wachstum erwartet.
Bei Infrastruktur wird der größte Anstieg der strategischen Allokationen erwartet. Dies spiegelt die Nachfrage nach langfristigen Anlagen mit laufenden Cashflows wider. Eine aktuelle Preqin-Studie zur Kapitalallokation institutioneller Investoren ergab, dass Infrastruktur im untersuchten Zeitraum zu den am schnellsten wachsenden Segmenten gehörte. Ihr durchschnittlicher Anteil am verwalteten Vermögen stieg von 1,4 % im Jahr 2021 auf 2,4 % im Jahr 2025. Dies könnte die wachsende Nachfrage nach Anlagen widerspiegeln, die langfristige Cashflows und Diversifizierungsvorteile jenseits traditioneller Aktien- und Anleihemärkte bieten.
Für Pensionsinvestoren sind darüber hinaus insbesondere folgende Aspekte attraktiv:
Der BAI nennt Diversifizierung und attraktive Risiko-Rendite-Eigenschaften als wichtigste Motive. Dies deutet darauf hin, dass Private Markets zunehmend zu einem Kernbestandteil langfristiger Portfolios werden und nicht lediglich eine taktische Allokation darstellen.
Für Private-Markets-Fondsmanager könnte eine stärkere Beteiligung deutscher Pensionsinvestoren erhebliche zusätzliche Quellen langfristigen Kapitals erschließen. Gleichzeitig entstehen zusätzliche Anforderungen in den Bereichen Onboarding, Due Diligence, Reporting, Steuern, regulatorische Compliance und Investorenbetreuung.
Diese Anforderungen werden zunehmen, wenn Manager Investoren mit unterschiedlichen Mandaten, Governance-Vorgaben und Reporting-Erwartungen über mehrere Rechtsordnungen hinweg betreuen. Mehr Transparenz, maßgeschneiderte Daten und eine engere Überwachung von Performance, Risiko und Kapitaleinsatz können Betriebsmodelle, die für eine kleinere oder weniger vielfältige Investorenbasis entwickelt wurden, schnell belasten.
Ohne skalierbare Prozesse, konsistente Daten und integriertes Reporting kann Wachstum die Kosten erhöhen, operative Risiken verstärken und interne Teams zusätzlich unter Druck setzen. Fondsmanager benötigen eine Infrastruktur, die Komplexität bewältigen kann, ohne dabei die Kontrolle oder die Qualität der Investorenbetreuung zu beeinträchtigen.
Spezialisierte Fondsadministratoren können Onboarding, Accounting, regulatorisches Reporting und Investorenbetreuung über Strukturen, Anlageklassen und Rechtsordnungen hinweg unterstützen. So können Fondsmanager die steigende Nachfrage bedienen und ihre internen Teams können sich weiterhin auf Anlageperformance, Fundraising und Investorenbeziehungen konzentrieren. Grenzüberschreitende Fondsökosysteme werden ebenfalls an Bedeutung gewinnen, wenn deutsches Altersvorsorgekapital verstärkt in Private Markets fließt.
Luxemburg ist Europas führender grenzüberschreitender Fondsstandort und ein bedeutendes Zentrum für alternative Anlagen. Preqin berichtete, dass 57 % des 2022 in Europa eingeworbenen Private Capital dort domiziliert waren, gegenüber 25 % im Jahr 2017 und 8 % im Jahr 2011. Unsere Analyse von Preqin-Daten zeigt, dass der Anteil 2023, 2024 und 2025 bei rund 50 % blieb.
Der Standort verfügt zudem über ein etabliertes Ökosystem das Governance, Administration, Reporting, Verwahrstellenservices und Investorenbetreuung über die Anlageklassen Private Equity, Private Credit, Infrastruktur und Immobilien hinweg abdeckt. Für deutsche Fondsmanager und Investoren schafft diese Kombination aus regulatorischer Sicherheit, vertrauten institutionellen Strukturen sowie umfassender operativer Expertise gute Voraussetzungen für eine stärkere Beteiligung an Private Markets.
Die Weiterentwicklung der deutschen Altersvorsorgestrategie bringt langfristiges Kapital auch mit dem langfristigen Wachstumsbedarf des Landes in Einklang. Infrastruktur, Projekte zur Energiewende und digitale Infrastruktur benötigen nachhaltige Investitionen, und Pensionsinvestoren zählen dabei zu den langfristigsten Kapitalgebern am Markt.
Um dieses Potenzial auszuschöpfen, braucht Deutschland geeignete institutionellen Rahmenbedingungen, entsprechende Anlagekompetenzen und operative Infrastrukturen. Für Fondsmanager eröffnet sich damit der Zugang zu einem wachsenden Pool langfristigen Kapitals. Ob sie diese Chance nutzen können, hängt davon ab, ob sie eine breitere Investorenbasis effizient, transparent und skalierbar betreuen können.
Als führender globaler Spezialist für Fondsadministration im Bereich Private Markets unterstützt Aztec seine Kunden bei der Umsetzung ihrer Wachstumsambitionen. Dabei verbinden wir moderne Technologie mit persönlicher Betreuung und einem Serviceansatz, der auf die individuellen Anforderungen unserer Kunden zugeschnitten ist. Wenn Sie das Gespräch mit uns fortsetzen möchten, freuen wir uns auf Ihre Kontaktaufnahme.